Hüttenhöck und Wiedereröffnung der Sciora-Hütte
28. Juli 2025 | Veröffentlicht in:
Sind wir nimmer satt? Was wünschen wir uns? Im Vorstand bestand der Anspruch, mit der Eröffnung des neuen Sciora-Weges zugleich ein einmaliges Hüttenerlebnis zu schaffen. In dem Wissen, dass der neue Hüttenweg die Messlatte hochlegen wird – nicht nur wegen der spektakulären Brückenhöhen – scheuten wir uns nicht, zum Hüttenhöck 2025 mehrere Elemente zu vereinen.
Ich darf mit grosser innerer Zufriedenheit feststellen: Es ist unserer Sektion (JO, Sektion und Senioren) gelungen die vier Elemente, der Neubau des Hüttenwegs, die Sciora-Hütte, die Hüttenwarte und die Sanierung des Cacciabella-Passes auf eindrucksvolle Weise am Hüttenhöck zusammenzubringen.
Dass wir mit makellosem Wetter beglückt wurden, war ein weiteres Geschenk. An dieser Stelle sei am Rande erwähnt, dass offizielle Einweihung am Samstag, 5. Juli buchstäblich ins Wasser fiel. Rund 40 Anwesende – darunter viele Bergeller, Planer, Baumeister, Bauherren, Gönner – kamen an diesem Morgen nicht weiter als bis ins Gemeindehaus und ins Hotel Restorant Bregaglia. Ein starkes Gewitter machte den Besuch der ersten Brücke unmöglich, es war schlicht zu gefährlich. Für Ruedi Sperb und mich war das eine Kleinigkeit, denn wir trugen den kaum in Worte zu fassenden Hüttenhöck vom letzten Juni-Wochenende noch tief in unseren Gedanken.
Seit dem Bergsturz am Cengalo im Jahr 2017 war unsere geliebte Sciora-Hütte nicht mehr erreichbar gewesen und endlich ist es wieder möglich, die Sciora-Hütte zu besuchen.
Am Samstag nutzte ich die Gelegenheit, die Gesichtsausdrücke der ankommenden Gäste zu beobachten. Ausnahmslos waren es glückliche, erfüllte Ankömmlinge. Sei es wegen des neu gebauten Weges mit 4 Hängebrücken, der eigenen Leistung, der beeindruckenden Bondasca-Gruppe, der Freude, endlich wieder hier zu sein oder der neuen T5-Route über den Cacciabella-Pass. Vielleicht war es auch der liebevolle Hüttenschmuck, der Duft der Puschlaver Buchweizenküche oder einfach die gelungene Flucht vor der brütenden Sommerhitze. Für mich bedeutete es auch eine innere Ruhe und Bestätigung, dass wir uns als Sektion ein Ziel gesteckt und dieses gemeinsam erreicht haben. Vergleichbar mit Bergsport; wünschen, planen, einschätzen, ausführen und offen für Reaktionen sein, seien dies Planänderungen oder Emotionen.
Das Fest-Organisationskomitee mit Erika Frick, Ariane Faul, Hansruedi Bachmann und Ruedi Sperb arbeitete in der Vorbereitung Hand in Hand. Ob Shuttle-Organisation (Promontogno–Prä), das Meistern der ClimbIT-Anmeldungen, das Engagement von Künstlern, Pfarrer oder das Bestellen des Essens – niemand war sich zu schade, selbst mit anzupacken, wo immer es nötig war. Dank der sicheren Wetterprognose mussten wir keine Vordächer bauen und die vorsorglich organisierten Blachen und Balken blieben im Tal. Von Freitag bis Samstagmittag erhielt die Hütte mit vielen helfenden Händen den letzten Schliff und war bereit, ihre Gäste mit offenen Armen zu empfangen.
Unser neues, frisch vermähltes Hüttenwartpaar Cinzia Fanconi-Cortesi und Mauro Cortesi war ein Fels in der Brandung. Mit grossem Geschick zauberten sie Apéros und Buchweizen-Köstlichkeiten auf den Tisch. Die Hütte präsentierte sich in einem so aufgeräumten Zustand, wie man ihn sich während der intensiven Fronarbeiten kaum hätte vorstellen können. Mit stoischer Ruhe stand das Hüttenwartpaar uns und Tagesgästen zur Seite. Zudem öffneten sie interessierten Mitgliedern ihren neu gebauten Wohnbereich mit Nasszellen. Ich kann den Wunsch nachvollziehen hier oben sein zu wollen. Ich war beeindruckt von ihrer Souveränität, mit der sie die Vielzahl an Aufgaben gleichzeitig meisterten. Sie sind bereit für alles, was kommt und mit grossem Vertrauen können wir die Hütte in ihre Pacht übergeben.
Am Sonntagmittag feierten wir den offiziellen Festakt – begleitet vom Schauspieler Gian Rupp, dem Handorgel-Virtuosen Simon Lüthi sowie unserem Klubmitglied und Pfarrer Peter Spengler. Ruedi Sperb und ich teilten unsere Gedanken zum Anlass und reflektierten das gemeinsam Erreichte. Gian regte mit seinen Kurzgeschichten unsere Gedankenwelt an, während Simon Lüthi uns musikalisch begleitete und stets den richtigen Ton traf. Peter erteilte unserer Hütte die geistliche Würdigung. Daniela Haag von der Zürichsee Zeitung publizierte am 3. Juli einen sehr passenden Artikel «Vier Hängebrücken, 1000 Höhenmeter und ein Traum, der nie aufgegeben wurde«
Ohne Schmuck wäre es kein richtiges Fest gewesen. Am Sonntag arrangierten Ariane, Erika, Simone, Edith und Christine den Blumenschmuck mit viel Liebe zum Detail: Alpenrosen (nicht geschützt im Bergell), Hauswurz, Steinbrech, Moose und Steine zierten die Tische. So war alles bereit und wunderschön gestaltet. Ein Wermutstropfen kam auf, als mir bewusst wurde, dass sich hier eine typische Rollenteilung zeigte. Umso mehr gilt mein aufrichtiger Dank diesen Frauen. Sorgfalt schliesst den Kreis und ist ein stilles, aber starkes Zeichen von Aufmerksamkeit.
Ein spezieller Dank gilt den Vertretungen aus dem Bergell. Die SAC Sektion Bergell, vertreten durch Luca Giovagnoli und Marcello Negrini, schenkte uns einen neuen Brunnenstock. Schon im Jahr 1986 durften wir den Brunnen entgegennehmen. Der Brunnentrog ist bis heute bestens erhalten. Doch der Brunnenstock bedarf einer Erneuerung, wir freuen uns sehr über dieses schöne, verbindende Geschenk. Die Plakette ist schon in der Hütte.
Zum Hauptmahl gab es Polenta Nera (Pramata, Buchweizenmehl, verfeinert mit viel Butter und Käse). Diese lokale Speise entfaltet ihren vollen Geschmack am besten auf dem Holzherd. Michele Marazzi und Remo Capadrutt rührten unbeeindruckt von Hitze und Trubel über vier Stunden lang in der grossen Pfanne – mit Geduld, Hingabe und kräftigem Arm. Wer sich nochmals satt essen möchte, sollte die Hütte bald wieder besuchen. Im solarbetriebenen Tiefkühler wartet eine Reserve dieser Köstlichkeit.
Den feierlichen Abschluss der Eröffnung bildete der Fahnenaufzug – ein besonderer Moment, der Cinzia und Mauro gewidmet war. Nun weht die Sciora-Fahne unter dem makellos blauen Himmel.
Alles ist bereit! Was noch fehlte? Natürlich: Torten und Kaffee! Auch sie fanden ihren Weg aus dem Unterland, über rotierende, knatternde Luft direkt aufs Dessertbuffet. Die Kirschtorte mit dem Sciora-Bild wurde von der Bäckerei Gantner aus Wädenswil vorbereitet. Als sie erfuhren, für wen die Torte gedacht war, spendierten sie sie kurzerhand. Ein weiteres schönes Zeichen der Verbundenheit.
Ich war erfüllt – erfüllt davon, dass uns ein würdiger Abschluss einer jahrelangen Arbeit gelungen ist. Einer Arbeit, getragen von vielen Clubmitgliedern, die hier nicht namentlich erwähnt sind, aber deren Engagement spürbar war. Unser ursprünglicher Anspruch – die vier Elemente zusammen zu bringen – wurde nicht nur erfüllt, er wurde übertroffen.
Sind wir nimmer satt? Nein…denn am Sonntag oder Montag traten alle, genährt von einmaligen Eindrücken, ihren persönlichen Heimweg an.
Herzlichst Philipp Schlatter (Präsident SAC Hoher Rohn)